SPORT-
TRAUMATOLOGIE


Bänderriss Sprunggelenk

 

Bänderriss Sprunggelenk

 

Bemerkenswert ist, dass sich binnen weni­ger Jah­re die Diagnostik, Therapie und Re­ha­bi­li­ta­tion der Kap­sel-Band-Ver­let­zun­gen des Sprung­ge­len­kes kom­plett ge­wandelt haben. 

Knöchern setzt sich das obere Sprung­ge­lenk aus Schien- und Wadenbein zusammen, welche über zwei kräftige Band­struk­tu­ren (Syn­des­mo­sen) eng mit­einan­der ver­bun­den sind. Das Ge­lenk wird von einer kräf­ti­gen Kap­sel um­fasst, die von einem drei­ge­teil­ten Außen­band und einem fächer­för­mi­gen Innen­band ent­spre­chend ver­stärkt wird. 

Der typische Unfallhergang ist das Umknicken über den äußeren Fußrand, wodurch es zu Kapsel-Band-Verletzungen, durchaus auch mit knöcherner Beteiligung, kommen kann. 

 

Wohl jeder Tennisfan erinnert sich noch mit Un­be­hagen an die Fern­seh­bil­der, als Michael Stich mit dem Sprung­ge­lenk um­ge­knickt ist und der Fuß kurz­zei­tig im rech­ten Win­kel zum Unter­schen­kel stand. Bereits mit der kli­ni­schen Un­ter­su­chung kann der erfahrene Sport­me­di­ziner zwischen Kapsel-Band-Zerrungen und Bän­der­ris­sen un­ter­schei­den. Un­ter­stüt­zend er­fol­gen Ultra­schall- und in sel­te­nen Fällen Kern­spin­un­ter­su­chun­gen zur Dia­gno­se­siche­rung. Kom­bi­na­tio­nen mit Knor­pel­ver­let­zun­gen sind re­la­tiv selten. Knö­cher­ne Ver­let­zun­gen werden mit kon­ven­tio­nellen Rönt­gen­auf­nah­men aus­ge­schlos­sen. 
Entscheidende Bedeutung kommt heute der Akut­ver­sor­gung unmittelbar nach dem Trauma zu. Hier sollten die sofortige Küh­lung und die An­la­ge eines Kom­pres­sions­ver­ban­des er­fol­gen, um lang­wie­rigen Schwel­lungs­zu­stän­den und Blut­er­güssen ent­ge­gen­zu­wir­ken. Ent­spre­chen­de Ban­dagen und Kühl­ele­men­te soll­ten auf jeder Sport­an­lage vor­ge­hal­ten werden! 

Wurden vor 15 Jahren noch fast sämt­liche Bän­der­risse opera­tiv ver­sorgt, so ist dies heute die Aus­nah­me. Auch Gips­an­la­gen ge­hö­ren der Ver­gan­gen­heit an. 

 

Therapeutisch erfolgt die Ruhigstellung des Ge­len­kes mittels Sprung­ge­lenks­orthe­sen, die neben der nar­bigen Aus­hei­lung der ge­risse­nen Band­struk­turen eine früh­funk­tionelle Be­hand­lung des Sprung­ge­len­kes er­lau­ben. Eine vor­über­ge­hen­de Ent­lastung an Unter­arm­geh­stützen ist abhängig von der Schmerz­symp­to­ma­tik und dem je­wei­ligen Schwellungs­zu­stand. 

 



 

Entscheidende Bedeutung kommt der Be­hand­lung des Physio­the­ra­peu­ten zu. Mit­tels Lymph­drai­nage, Elektro­the­ra­pie und Kra­nken­gym­nas­tik werden Stoff­wech­sel­vor­gän­ge angeregt und die Aus­hei­lung der ver­letz­ten Struk­turen unter­stützt. 

Im weiteren Verlauf stehen dann stabilitäts- und ko­ordi­na­tions­för­dern­de Maß­nah­men auf dem The­ra­pie­plan. Hier­mit er­folgt die Schu­lung des Ge­len­kes und des Be­we­gungs­appara­tes, um solchen Ver­let­zun­gen in Zu­kunft vor­zu­beu­gen. 

Zerrissene Bandstrukturen gelten nach sechs Wochen als nar­big aus­ge­heilt, so dass mit einer ent­spre­chen­den Pause in Lauf- und Ball­sport­ar­ten zu rech­nen ist. In die­ser Zeit eig­net sich ins­be­son­dere der Rad­sport zum Er­halt der Fit­ness. Tape­ver­bän­de kön­nen bei der Wie­der­auf­nah­me des Sports passager hilfreich sein. 

Operative Maßnahmen bleiben heutzutage den komplexen Band­ver­let­zun­gen, chro­ni­schen In­sta­bi­li­tä­ten und knöcher­nen Ver­let­zun­gen vor­be­hal­ten. Um Aus­fall­zei­ten zu mini­mie­ren werden Profi­sport­ler ten­den­tiell auch eher operativ versorgt. 

Grundsätzlich gilt es, aus sport­me­di­zi­ni­scher Sicht und im Inter­esse des Sport­lers, Ver­let­zun­gen zu ver­mei­den. Für den Trai­nings­all­tag be­deutet dies eben nicht nur sport­ar­ten­spe­zi­fi­sches Trai­ning, sondern auch die re­gel­mä­ßige Schu­lung der Koor­di­na­tion und Sta­bi­li­tät zur Pro­phy­laxe von Gelenkverletzungen.