FUSS- UND
SPRUNGGELENKS-
OPERATIONEN



Achillessehnenriss

05.2012

Grundsätzliches:

Die Achillessehne ist die stärkste Sehne des mensch­lichen Kör­pers. Sie über­trägt die Kraft der Waden­mus­ku­latur auf die Ferse und zieht diese bei jedem Schritt nach oben. Je öfter und explo­siver dies ge­schieht, umso mehr ist die Seh­ne belastet. Im Sport ist sie Kräf­ten aus­ge­setzt, die ein Viel­faches des Kör­per­ge­wich­tes be­tra­gen. 

Nicht nur im Leistungs­sport, auch im Frei­zeit­sport. Die Sehne ist im mitt­leren Drittel schlecht durch­blutet; dies setzt ihre Belast­bar­keit v.a. beim älteren Sport­ler herab und be­güns­tigt Ver­letzun­gen. Die Über­for­derung der Seh­ne kann sich ver­schie­den äußern: sie kann sich ent­zün­den, an­reißen oder durch­reißen. 

Der akute Achillessehnenriss ist ein hoch­dra­ma­tisches Er­eig­nis. Der Be­troffene hört ein Schnal­zen, spürt einen peit­schen­artigen Schlag und ist sofort geh­un­fähig. Im mitt­leren Drit­tel der Achilles­seh­ne ist meist eine dau­men­kuppen­große Del­le zu tasten. Be­son­ders be­troffen sind Sport­ler zwischen 30 und 60 Jahren, die Sport­arten mit ruck­artigen stop-and-go-Bewe­gungen wie Tennis und Squash aus­führen („weekend-warrior“). 

Operationstechnik:

Frische Achillessehnenrisse operieren wir in der Regel inner­halb 1 Woche. Das Ziel der Operation ist es, die ge­rissenen Sehnen­enden durch Näh­te an­einander­zu­fügen, so dass sie sich durch die Bil­dung von Re­pa­ra­tions­ge­webe wieder sta­bil mit­einan­der ver­bin­den kön­nen. Bei der klassi­schen offe­nen Opera­tion ge­schieht dies unter Sicht, nach­dem man den Riss­be­reich mittels Schnitt er­öff­net hat. Dies hat den Vor­teil, dass die Näh­te sehr stabil ge­legt wer­den können und man am Ende der Opera­tion den Er­folg gut sehen und tasten kann. Wenn nötig, kann zur Ver­stär­kung zu­sätz­lich eine Seh­ne aus dem Unter­schen­kel (Plantaris­sehne) ein­ge­arbei­tet werden. Die offene Opera­tion bevor­zugen wir in allen Fällen, bei denen die Riss­enden er­heb­lich aus­einan­der­ge­wichen sind.

Bei der minimalinvasiven, sog. percu­tanen Naht­tech­nik werden die Seh­nen­stümpfe an­einander­ge­zo­gen, nach­dem die Näh­te durch sehr kleine Stich­in­zisio­nen ohne direkte Sicht ein­ge­bracht wur­den. Der Vor­teil liegt in den mini­ma­len Schnit­ten, der Scho­nung des Ge­we­bes und der ge­rin­gen Schwell­nei­gung. Wir ver­wen­den diese Me­tho­de, wenn sich in der Ultra­schall­unter­su­chung vor der Opera­tion die Sehnen­enden gut an­nähern lassen und wenn die Sehnen­qua­li­tät als gut be­trach­tet wer­den kann. Dies sind auch die Vor­aus­setzun­gen für die nicht­operative Be­hand­lung des Achilles­sehnen­risses mittels Gips oder Spezial­schuh. 

Diese rein kon­ser­va­tive Be­hand­lung führt je­doch nicht selten zu einer Kraft­min­derung und birgt die Ge­fahr eines er­neu­ten Seh­nen­risses. Dem aktiven Sport­ler em­pfeh­len wir des­halb immer die Opera­tion.

Ver­schlepp­te und chro­ni­sche Achilles­sehnen­risse können nicht mehr ge­näht wer­den. Hier muss der Defekt­bereich plas­tisch über­brückt wer­den, sei es durch Sehnen­material aus dem oberen Achilles­sehnen­anteil („Um­kipp­plastik“) oder durch Ver­la­gerung einer Unter­schenkel­sehne („Flexoren­transfer“), die dann die Funktion der Achilles­sehne über­nimmt.

1. Achilessehne im Schema   2. Achillessehnenriß   3. gerissene Sehne im Kernspin  

4. Achillessehnennaht   5. Hautschnitt bei offener AS-Naht   6. Hautschnitt bei minimalinvasiver AS-Naht  

7. Einbringen der Nähte durch die Haut   8. Verknoten der Nähte   9. nach Abschluß der minimalinvasiven OP 

Nachbehandlung:

Der Krankenhaus­auf­ent­halt für Achilles­seh­nen­nähte und plas­tische Über­brückungen beträgt 2–3 Tage. Die operierte Seh­ne wird zunächst für 2 Wochen durch eine Gips­schiene in Spitz­fuß­stellung ruhig­ge­stellt. Nach dem Fäden­ziehen wird ein ge­schlos­sener Gips für noch­mals 2 Wochen an­gelegt. 

4 Wochen nach der Operation wird dann auf einen Unter­schenkel­plasti­kstiefel (Vacoped) ge­wech­selt, der für weitere 4 Wochen ge­tra­gen wird. Voll­be­lastung ist jetzt er­laubt, die Krücken kön­nen weg­ge­lassen werden. Es be­ginnt die Physio­therapie, der Vaco­ped kann dabei ab­ge­nommen wer­den.

8 Wochen nach der Opera­tion darf man ohne Hilfs­mittel ge­hen und kann mit Trai­ning am Stand­fahr­rad an­fan­gen. Be­ginn mit Lauf­trai­ning frühestens 12 Wochen nach der Opera­tion. Sprung­be­lastun­gen und Wett­kampf­sport frühes­tens ein hal­bes Jahr nach der OP.