SPORT-
TRAUMATOLOGIE


Achillessehne

 

Achillessehne

 

Insbesondere Hobbysportler im mitt­le­ren Le­bens­al­ter, und hier vor allem Män­ner, sind über­durch­schnitt­lich häu­fig von Über­lastun­gen der Achil­les­seh­ne be­trof­fen. Im Vor­der­grund ste­hen lang­wie­ri­ge Reiz- und Schmerz­zu­stän­de welche zur Sport­pause zwin­gen. Der Riss der Achilles­seh­ne ist ein akutes Er­eig­nis und be­trifft so­wohl Hobby- als auch Leistungs­sport­ler, zu­meist auf Grund­lage von de­ge­ne­ra­ti­ven Ver­än­derun­gen der Seh­ne. 

 

Die Achillessehne 

Die Achillessehne ist eine der stärksten Seh­nen des men­schli­chen Kör­pers und über­trägt beim Ab­sto­ßen vom Boden die Kraft der Un­ter­schen­kel­mus­ku­la­tur auf das Sprung­ge­lenk. Die in der Sehne wirkendenden Kräfte sind er­heb­lich und be­tra­gen bis zum 15-fachen des Kör­per­ge­wich­tes. Er­schwerend kommt hinzu, dass die Achilles­seh­ne direkt unter der Haut liegt und somit we­nig ge­schützt ist ge­gen Tritte und Stöße. Ana­to­misch be­dingt ist die Seh­ne vor allem im mitt­le­ren Drittel schlecht durch­blu­tet und da­durch an­fäl­lig für chro­ni­sche Über­lastungs­schä­den. 

 

Die überlastete Achillessehne 

Typisches Frühsymptom der chro­ni­schen Über­lastung der Achilles­seh­ne ist der so­ge­nann­te An­lauf­schmerz. Die ersten Schritte mor­gens oder nach län­ge­rem Sitzen oder Liegen sind schmerz­haft und ver­lei­ten den Be­troffe­nen zum Hin­ken. 

 

Nach­dem die Sehne „ein­ge­laufen“ ist bzw. nach dem Auf­wärm­pro­gramm ist die Sehne an­fangs noch un­ein­ge­schränkt be­last­bar. Später ist die Seh­ne druck­emp­find­lich, teils spindel­förmig ge­schwol­len und schmerzt nahezu bei jedem Schritt. Zur Siche­rung der Dia­gnose be­währt sich die Ultra­schall­unter­su­chung bzw. eine Kern­spin­to­mo­gra­phie, um die Qua­li­tät der Achilles­seh­ne zu be­ur­tei­len. An­hand der Bil­der kön­nen auch Teil­ein­risse und de­ge­ne­ra­tive Ver­än­derun­gen der Seh­ne er­kannt wer­den. 

 

Therapeutisch kommt in diesem Stadium der Prä­ven­tion und konservativen The­ra­pie eine entscheidende Rolle zu. Die Trai­nings­in­ten­si­tät sollte früh­zei­tig re­du­ziert und Früh­symp­to­me ernst ge­nommen wer­den. Mus­ku­läre Un­gleich­ge­wich­te werden durch spezielle Kräf­ti­gungs­übun­gen unter physio­the­ra­peu­ti­scher An­lei­tung aus­ge­gli­chen. Ergänzend erfolgen regelmäßige physi­ka­lische The­rapie­maß­nah­men wie Ultra­schall, Stoß­welle oder Elektro­an­wen­dungen. Ursächlich zugrunde liegende Fehl­stellun­gen der Füße und der Bein­achsen werden nach ge­nauer Ver­mes­sung mit in­di­vi­duell an­ge­fer­tig­ten Ein­la­gen kor­ri­giert. Um Folgeschäden, wie Rissbildungen, bei chronischen und therapie­resis­ten­ten Ver­läu­fen zu ver­mei­den, wird recht­zei­tig die In­di­ka­tion zur Opera­tion gestellt. Die ver­letz­ten Seh­nen­an­teile werden schon­end ent­fernt und ge­ge­be­nen­falls mit kör­per­eige­nem Seh­nen­ma­terial ver­stärkt. 

 

Die schmerzhafte Ferse 

Abzugrenzen von der chronischen Achilles­seh­nen­rei­zung ist der Symp­tom­kom­plex der schmerz­haf­ten Ferse. Durch Kno­chen­vor­sprün­ge am Fer­sen­bein (Haglund­ferse, Fer­sen­sporn) kommt es zur Rei­zung des An­satzes der Achilles­seh­ne am Kno­chen. Nicht sel­ten sind Kalk­ein­la­gerun­gen in der Seh­ne zu fin­den, welche von Schleim­beutel- und Kno­chen­ent­zün­dun­gen be­glei­tet wer­den. Der Schmerz proji­ziert sich auf die Fer­se, eine Schwel­lung ist häu­fig. Durch eine Rönt­gen­unter­su­chung lässt sich das Aus­maß der Kno­chen­vor­sprün­ge und der Kalk­ein­la­gerung er­ken­nen. 

 

Zur Be­ur­tei­lung der Seh­ne und des Schleim­beu­tels komplet­tieren der Ultra­schall und ggf. eine Kern­spin­to­mo­gra­phie die Dia­gnos­tik. Sollten kon­ser­va­tive The­ra­pie­maß­nah­men (siehe oben) nicht den er­wünsch­ten Erfolg zeigen, werden die Kno­chen­vor­sprün­ge opera­tiv ent­fernt. Hierbei kann es durch­aus not­wen­dig sein die Achilles­seh­ne vom Kno­chen ab­zu­lösen, um sie an­schlie­ßend wieder mit einem Knochen­anker aus Titan an das Fersen­bein zu re­fixieren. 

Riss der Achillessehne 

Durch eine plötzliche Kraft­ein­wirkung auf die Achilles­sehne, z. B. beim Sprint ans Netz oder beim abrupten Ab­stoppen, kann die Achilles­seh­ne reißen, was häufig von einem peit­schen­ar­ti­gen Ge­räusch be­glei­tet wird. Der Fuß kann nicht mehr belastet werden und in der Seh­ne ist eine Lücke tast­bar. Die meisten Pa­tien­ten be­rich­ten in der Vor­ge­schich­te über be­reits vor­han­de­ne Be­schwer­den an der Achilles­seh­ne. Um ein opti­ma­les funk­tio­nel­les Er­geb­nis zu er­zie­len, er­for­dert ein Seh­nen­riss beim Sport­ler die exakte opera­tive Adap­ta­tion der Seh­nen­en­den durch eine Naht. Bei gün­sti­gen Voraus­setzun­gen kann die Opera­tion in minimal­in­vasiver Tech­nik erfolgen, das heißt über zwei bis drei winzige Haut­schnitte. Die Nach­behand­lung ist lang­wierig und ent­schei­dend für den letzt­end­li­chen Operations­er­folg. Zu­nächst er­folgt die Ruhig­stellung des Sprung­ge­len­kes in Spitz­fuß­stel­lung für mehre­re Wo­chen, bevor dann kran­ken­gym­nasti­sche Übungen und physikalische Therapie­maß­nah­men die Be­weg­lich­keit und Be­last­bar­keit optimieren. Tennis­spie­len ist auch bei opti­malem Ver­lauf nach der Opera­tion leider erst nach sechs bis neun Mo­na­ten wieder möglich. 

 

Tennis zählt zu den Sportarten, die die Achilles­seh­ne erheblich belasten. Um einer Chroni­fi­zierung der Be­schwer­den vor­zu­beu­gen, sollten Früh­symp­tome ernst genommen und eine exakte Dia­gnose­stellung recht­zeitig ein­ge­leitet werden.